Warum der Körper Pausen braucht – und wie IHT/IHHT diese Pausen technisch unterstützt**
mTOR – zentraler Wachstumsregulator mit klarer biologischer Funktion
mTOR (mechanistic Target of Rapamycin) ist ein zentraler Regulator anaboler Prozesse im menschlichen Körper. Er steuert unter anderem Zellwachstum, Proteinsynthese und Gewebeaufbau. Ohne mTOR wären Wundheilung, Regeneration im klassischen Sinn und Anpassungsprozesse an Belastung nicht möglich.
Die biologische Herausforderung entsteht daher nicht durch mTOR selbst, sondern durch eine fehlende Periodisierung seiner Aktivität. In modernen Lebensumständen – mit nahezu permanenter Nahrungsverfügbarkeit, häufigen Insulinspitzen und konstantem Energieangebot – bleibt mTOR häufig länger aktiv, als es für eine gesunde Balance zwischen Aufbau und Erneuerung vorgesehen ist.
Warum anhaltend erhöhte mTOR-Aktivität Reparaturprozesse einschränken und ein Risiko darstellen kann
Autophagie und Mitophagie sind Reparaturmechanismen, die bevorzugt in Phasen reduzierter mTOR-Aktivität ablaufen. In diesen Phasen werden beschädigte, fehlerhafte oder energetisch ineffiziente Zellbestandteile gezielt abgebaut und erneuert.
Ist mTOR über längere Zeit dominant aktiv, kann dies:
- die Initiierung autophagischer Prozesse erschweren,
- die metabolische Flexibilität einschränken,
- mitochondriale Effizienz beeinträchtigen,
- entzündungsfördernde Signalwege begünstigen.
Es handelt sich dabei nicht um einen pathologischen Zustand per se, sondern um das Fehlen ausreichender reparativer Gegenphasen, die mit reduzierter mTOR Aktivität einher gehen. Aufbau und Reparatur sind biologisch komplementär – sie müssen zeitlich getrennt stattfinden, um langfristige Zellgesundheit zu ermöglichen.
Fasten als physiologischer Impuls zur mTOR-Modulation
Fasten stellt einen evolutionär etablierten Mechanismus dar, der diese reparativen Phasen begünstigt. Bei ausbleibender Nahrungszufuhr verändern sich zentrale metabolische Signale:
- Insulin- und IGF-1-Spiegel sinken,
- das ATP/AMP-Verhältnis verschiebt sich,
- AMPK wird aktiviert,
- mTOR-Aktivität wird temporär reduziert,
- autophagische Prozesse werden stärker gefördert.
Ziel ist dabei nicht eine vollständige Hemmung von mTOR, sondern die rhythmische Abfolge von Aufbau- und Reparaturphasen. Fasten wirkt somit nicht primär als Diätmaßnahme, sondern als metabolisches Regulationssignal.
Grenzen des Fastens in der klinischen Praxis
Trotz seiner physiologischen Logik ist Fasten nicht für alle Menschen gleichermaßen geeignet. In der klinischen Realität gibt es Patienten, bei denen längere Fastenphasen mit Risiken verbunden sein können, etwa bei ausgeprägter Erschöpfung, instabilen Stoffwechselzuständen, Essstörungsanamnese, höherem Lebensalter oder komplexer medikamentöser Therapie.
Für diese Gruppen wäre eine Modulation der mTOR-Aktivität und die Förderung autophagischer Prozesse zwar grundsätzlich wünschenswert – der Weg über Fasten jedoch nicht immer optimal oder umsetzbar.
Intervallhypoxietraining (IHT/IHHT) als alternativer Zugang zur metabolischen Periodisierung
Intervallhypoxietraining (IHT/IHHT) nutzt kontrollierte, kurzzeitige Hypoxiephasen als physiologischen Reiz. Diese Sauerstoffreduktion führt zu einer temporären energetischen Anpassungsanforderung auf zellulärer Ebene.
Studien zeigen, dass hypoxische Reize:
- AMPK-abhängige Signalwege aktivieren können,
- metabolische Effizienzmechanismen stimulieren,
- Bedingungen fördern, unter denen autophagische Prozesse begünstigt werden,
- indirekt zur Modulation mTOR-abhängiger Signalachsen beitragen.
Der entscheidende Punkt:
Diese Effekte können auftreten, ohne dass ein Nahrungsentzug notwendig ist. IHT/IHHT ersetzt Fasten nicht, bietet jedoch einen alternativen, technologisch gestützten Zugang zu zentralen regenerativen Signalwegen.
Klinischer Mehrwert: Reparaturprozesse gezielt zugänglich machen
Aus therapeutischer Sicht liegt der Mehrwert von IHT/IHHT darin, dass metabolische Periodisierung in einen steuerbaren Rahmen überführt werden kann. Dauer, Intensität und Frequenz der Hypoxiephasen lassen sich an individuelle Voraussetzungen anpassen, Effekte monitoren und Interventionen in bestehende Behandlungspläne integrieren.
Damit wird ein Prinzip, das bislang primär als Lebensstilintervention bekannt war, in eine klinisch handhabbare Strategie überführt.
Fazit: Gemeinsame Biologie, unterschiedliche Zugangswege
mTOR ist essenziell für Wachstum und Anpassung, benötigt jedoch reparative Gegenphasen.
Fasten unterstützt diese Periodisierung auf natürliche Weise.
IHT/IHHT kann – über AMPK-abhängige Mechanismen – ähnliche regenerative Signalräume öffnen.
Beide Ansätze wirken über dieselben zentralen Stoffwechselachsen, unterscheiden sich jedoch im Zugang. Sie stehen nicht im Widerspruch, sondern ergänzen sich.
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Ausblick: Ein weiterer möglicher Zugang zur zellulären Reparatur
Neben Fasten und hypoxischen Reizen rückt in der aktuellen Forschung ein weiterer Ansatz in den Fokus, der auf molekularer Ebene ähnliche Signalräume berühren könnte: molekularer Wasserstoff (H₂).
Erste präklinische und experimentelle Studien deuten darauf hin, dass H₂ antioxidative und entzündungsmodulierende Eigenschaften besitzt und möglicherweise Signalwege beeinflusst, die auch für Autophagie, mitochondriale Funktion sowie die AMPK/mTOR-Achse relevant sind. Diese Effekte sind bislang nicht abschließend geklärt, stammen überwiegend aus Tier- und Zellmodellen und müssen klar von gesicherten klinischen Anwendungen abgegrenzt werden.
Da sich hier ein biologisch plausibler, aber noch differenziert zu bewertender Ansatz abzeichnet, widmen wir dem Thema molekularer Wasserstoff einen eigenen Beitrag. Dort werden ausschließlich wissenschaftliche Publikationen betrachtet, Hypothesen klar als solche gekennzeichnet und die aktuelle Datenlage kritisch eingeordnet.
– Marion Massafra-Schneider –


