Wenn medizinischer Fortschritt schneller ist als das Recht
Vor einigen Jahren saß mir ein Arzt gegenüber, den ich bis heute nicht vergessen habe.
Ein empathischer Mensch, begeistert von neuen Therapieansätzen, voller Visionen für eine moderne präventive Medizin. Sein Wartezimmer war stets voll, seine Patienten vertrauten ihm, und er war überzeugt, alles richtig zu machen.
Bis eines Tages ein Brief kam.
Zuerst glaubte er an ein Missverständnis. Dann an einen Irrtum. Doch der Vorwurf stand schwarz auf weiß: Abrechnungsbetrug.
Er war fassungslos. Er hatte niemandem geschadet, keine Leistung erfunden, keinen Cent veruntreut. Sein „Fehler“? Eine Formulierung in seiner Honorarvereinbarung, die nicht zu den von ihm angebotenen Verfahren passte — eine Standardvorlage, ergänzt um ein paar Zeilen, wie es eben jeder macht.
Er erzählte mir später, dass er in der ersten Nacht nach Erhalt des Schreibens nicht an sich oder seine Praxis dachte, sondern an seine Patienten.
„Was passiert, wenn ich nicht mehr behandeln darf?“
„Wer kümmert sich dann um sie?“
Es waren diese Fragen, nicht die rechtlichen Konsequenzen, die ihm das Herz schwer machten.
Als wir seinen Fall juristisch aufarbeiteten, wurde deutlich:
Er hatte die Zukunft in seiner Praxis längst eingeläutet – doch die Rechtsgrundlage stammte aus der Vergangenheit. Das ist kein individuelles Versagen. Es ist ein strukturelles Problem. Und es begegnet mir seit Jahren in erschreckender Regelmäßigkeit.
Zusammen konnten wir den Schaden in einem Jahrelangen Kampf vor Strafgerichten mehrerer Instanzen eindämmen. Doch wo er Glück hatte, ergeht es Vielen schlecht.
Meine Mission begann schon davor und ist noch lange nicht beendet!
Seit beinahe drei Jahrzehnten bewege ich mich im Spannungsfeld zwischen Medizin und Recht. Als ich im Rahmen meines Rechtswissenschaftsstudiums Rechtsmedizin an der Charité belegte, ahnte ich noch nicht, dass mich dieser Weg einmal tief in ein Gebiet führen würde, das damals kaum jemand ernst nahm: die integrative und präventive Medizin – und alles, was juristisch an ihr hängt.
Was mich seither begleitet, ist ein Gefühl, das sich über die Jahre verstärkt hat: Die Medizin entwickelt sich rasant – das Recht hinkt hinterher. Und genau in diesen mitunter kritischen Spalt zwischen Innovation und Rechtsrahmen geraten immer mehr Menschen, oft ohne es zu merken.
Rechtskonformität? – Der stille „blinde Fleck“ vieler moderner Praxen
In Gesprächen mit Ärzten, Heilpraktikern und Gesundheitscoaches stoße ich immer wieder auf denselben Moment: den Augenblick, in dem ihnen bewusst wird, dass ihre Aufklärung, ihre Verträge oder ihre Honorarvereinbarungen nicht zu ihren Behandlungsmethoden passen.
Nicht,weil sie sorglos wären.Im Gegenteil. Viele investieren Zeit, Energie und Herzblut in neue Therapieansätze, biologische Verfahren, Longevity-Programme, wie bspw. IHHT, Infusionstherapien oder andere innovative Konzepte. Sie wollen helfen. Sie wollen heilen. Doch genau dieses Engagement bringt sie auf dünnes Eis – juristisch betrachtet.
Was als Vision beginnt, endet nicht selten als juristische „Fallakte“.
Dabei geht es nicht um schwarze Schafe oder Betrüger. Das Bundeskriminalamt erfasste allein für das Jahr 2024 mit 20.553 Fällen von Abrechnungsbetrug einen Anstieg von 847,6 – und viele Betroffene sind erschüttert, wenn sie erfahren, dass sie juristisch als „Täter“ gelten, obwohl sie nur etwas falsch ausgefüllt, eine Ziffer falsch angesetzt oder eine Standardvorlage genutzt haben, die für ihre medizinische Realität nie gedacht war.
Warum Standardmuster nicht für Innovationen gemacht sind
Es ist seit Jahren meine Mission, Ärzte, Heilpraktiker, Therapeuten und Coaches darüber aufzuklären, dass die meisten Musterverträge nur für klassische schulmedizinische Versorgung entworfen wurden und ihren Ansprüchen nicht genügen kann.
Sie berücksichtigen nicht:
– Neulandmethoden
– fehlende Evidenzen oder Off-Label-Situationen
– erweiterte Aufklärungspflichten
– privatärztliche Leistungsmodelle
– spezifische Honorarkonstellationen
Wer hier mit Ergänzungen „nachbessert“, riskiert unbeabsichtigt genau das, was er vermeiden möchte: rechtliche Angreifbarkeit. Nicht, weil er nachlässig handelt, sondern weil unser System für Innovationen bisher kaum juristische Leitplanken bietet.
Die Tragik hinter vielen Fällen
Zu oft wurde ich erst beratend hinzu gezogen, als „das Kind schon in den Brunnen gefallen war“. Ich habe Mediziner erlebt, die ihre Praxis nach Jahrzehnten guter Arbeit schließen mussten.
Andere verloren Patienten, Reputation oder Jahre ihres Berufslebens. Und einige stehen bis heute unter dem Eindruck einer strafrechtlichen Ermittlung, die nie hätte stattfinden müssen.
Das Bittere daran: All diese Menschen wollten helfen. Und doch gerieten sie – ohne es zu wissen – in ein juristisches Niemandsland.
Ein Gesundheits- wie Rechts-System im Übergang
Wir befinden uns in einer Phase, in der Medizin mehr kann, als das Recht derzeit abzubilden vermag. Integrative und präventive Gesundheitskonzepte wachsen schneller, als unsere Vorgaben sie erfassen können. Das ist kein Vorwurf – es ist eine Einladung.
Eine Einladung, Verantwortung nicht nur für die Therapie zu übernehmen, sondern auch für den Rahmen, in dem sie stattfindet.
Worum es mir geht: Rechtssicherheit für Ihre Praxis
Ich plädiere dafür, dass hoch innovative Medizin nicht an juristischen Formalien scheitert.
Aber ich habe auch gelernt: Wer im Gesundheitssystem Neues wagt, muss sich der rechtlichen Dimension bewusst sein. Nicht aus Angst, sondern aus Respekt – gegenüber dem eigenen Wirken, den Patienten und dem eigenen Berufsweg.
Rechtssicherheit ist kein technisches Detail. Sie ist ein Stück medizinische Ethik.
Ein Gedanke zum Schluss
Innovation braucht Mut.
Doch Mut ohne Absicherung wird leicht zur Falle.
Vielleicht stehen wir gerade an einem Punkt, an dem sich entscheidet, ob integrative und präventive Medizin ein Nischenphänomen bleibt – oder ob sie erwachsen wird.
Dafür müssen wir nicht langsamer denken, sondern nur bewusster handeln.
Wenn Sie in Ihrer Praxis neue Wege gehen, innovative Verfahren einsetzen oder integrative, komplementäre oder präventive Konzepte anbieten, dann sollten Sie Eines immer bedenken:
Schauen Sie nicht nur auf das Medizinische. Schauen Sie auch auf den rechtlichen Rahmen, der es trägt.
Nicht, weil Paragrafen wichtiger wären als Patienten, sondern weil gute Medizin scheitert, wenn sie juristisch angreifbar ist.
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Aufklärungsbögen, Behandlungsverträge oder Honorarvereinbarungen wirklich zu dem passen, was Sie heute tun — nicht zu dem, was Sie vor Jahren einmal angeboten haben — dann lassen Sie es prüfen. Von wem, ist zweitrangig. Dass Sie es tun, nicht.
Innovation ist kein Risiko.
Unbewusste Nachlässigkeit schon.
Ich lade Sie ein, Ihre Fragen zu stellen:
Welche Dokumente brauchen moderne Praxen wirklich?
Welche Fehler sehe ich immer wieder?
Und welche Stolperfallen lassen sich mit einem einzigen Satz vermeiden?
Schreiben Sie mir, diskutieren Sie mit mir oder beginnen Sie einfach damit, Ihre Unterlagen einmal mit anderen Augen anzusehen.
Der erste Schritt zu echter Zukunftsmedizin ist nicht die nächste Behandlungsmethode.
Es ist das Bewusstsein dafür, dass Mut erst dann Wirkung entfaltet, wenn er getragen wird – von einem sicheren Fundament.
Sicherung der Zukunft Ihrer Praxis beginnt nicht morgen – sondern heute.
Wenn Sie innovative Medizin anbieten, brauchen Sie dafür auch rechtlich tragfähige Strukturen. Genau hier setzen unsere Online-Kurse an.
In unseren kompakten, praxisorientierten Lernmodulen erfahren Sie:
- Welche Dokumente moderne Praxen tatsächlich benötigen
- Wie Sie Aufklärung, Verträge und Honorarvereinbarungen rechtssicher gestalten
- Wie Sie juristische Stolperfallen vermeiden, bevor sie entstehen
- Wie Sie Ihr Risiko minimieren und Ihre Vision langfristig schützen
Sie müssen den juristischen Spagat zwischen Innovation und Recht nicht allein bewältigen.
Lassen Sie sich von meiner jahrzehntelangen Erfahrung begleiten – verständlich, strukturiert und sofort umsetzbar.
Wenn Sie wissen möchten, wie Sie diese Sicherheit Schritt für Schritt umsetzen, dann besuchen Sie unser kostenloses Webinar „Longevity für Ihre Praxis – Rechtssicherer Umgang bei der Implementierung von Präventionsmedizin“
Wann?: 21. Januar 2026 um 18 Uhr. 👉 Zur Registrierung
👉 Hier zu meinen Online-Kursen / Modulen – für echte Rechtssicherheit, nachhaltige Praxisentwicklung und die Zukunft, die Sie gestalten wollen.
Rechtssicherheit beginnt in den Verträgen & Patientenvereinbarungen.
👉 Hier gehts zu rechtssicheren Vorlagen, die Sie sofort in Ihrer Praxis einsetzen können.
Ihre Nadia Pröpper Schwirtzek, Rechtsanwältin, Fachanwältin für Medizinrecht,
Zertifizierter Compliance Officer (SHB)


