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IHHT, Fasten, Immunsystem und Entzündung

Warum echte Heilung Ordnung bedeutet – und wie IHHT zu ähnlichen biologischen Effekten führen kann

Die Natur der Entzündung – ein notwendiger, aber gefährlicher Mechanismus

Entzündung ist kein Fehler des Körpers. Sie ist ein biologischer Dienst.

Immer dann, wenn Gewebe verletzt wird, Krankheitserreger eindringen oder Zellen beschädigt werden, aktiviert der Organismus entzündliche Prozesse. Immunzellen werden mobilisiert, Reparaturprogramme gestartet, beschädigte Strukturen abgebaut. Ohne Entzündung wäre Heilung nicht möglich.

Doch Entzündung hat auch eine zweite Seite. Sie funktioniert wie eine Feuerwehr:
Im richtigen Moment ist sie lebensrettend.
Bleibt sie dauerhaft aktiv, beginnt sie selbst Strukturen zu schädigen.

Genau das beobachten wir heute bei vielen chronischen Erkrankungen. Der Körper befindet sich nicht in einer starken, akuten Entzündungsreaktion, sondern in einem Zustand unterschwelliger, dauerhafter Aktivierung. Diese sogenannte chronisch niedriggradige Entzündung – auch „Silent Inflammation“ genannt – wird oft über lange Zeit gar nicht bemerkt, belastet jedoch langfristig Organfunktionen und Regulationssysteme.

Besonders betroffen sind dabei Systeme, die stark von Energie und präziser Regulation abhängen:

  • die mitochondriale Energiebereitstellung
  • die Regulation des Nervensystems
  • zentrale Stoffwechselprozesse
  • die Balance des Immunsystems selbst

Die Folgen zeigen sich häufig in Symptomen, die zunächst unspezifisch wirken: Müdigkeit, diffuse Schmerzen, mentale Unruhe, verringerte Belastbarkeit, schlechter Schlaf oder ein Gefühl innerer Erschöpfung.

Viele Menschen interpretieren diese Signale als psychisches Problem oder pauschal als vorübergehende Stressreaktion. Das ist nicht grundsätzlich falsch – Stress spielt zweifellos eine Rolle. Doch oft steckt bereits eine biologische Dysbalance dahinter: ein Körper, der dauerhaft Energie auf Abwehr und Alarmbereitschaft verwendet, statt auf Regulation und Stabilisierung.

Wenn der Körper keine Pause bekommt

Ein entscheidender Faktor in dieser Entwicklung ist die Tatsache, dass unser Stoffwechsel heute kaum noch echte Ruhephasen kennt. Nahrung ist jederzeit verfügbar, Energie wird ständig zugeführt, und viele Reparaturprogramme, die ursprünglich in Zeiten metabolischer Pausen aktiviert wurden, kommen nur noch eingeschränkt zum Einsatz.

Genau hier beginnt das Thema Fasten interessant zu werden.

Warum Fasten immunregulierend wirken kann

Fasten wird häufig als Belastung für den Körper verstanden – oder als notwendiges Opfer zur Gewichtsreduktion. Tatsächlich löst es jedoch eine Reihe biologischer Anpassungsprozesse aus, die für viele Systeme entlastend wirken können.

Wenn der Körper für eine gewisse Zeit keine Nahrung von außen erhält, verändert sich der Stoffwechsel grundlegend. Energie und organische Ressourcen werden effizienter genutzt, Zellreparaturprogramme werden aktiviert und Prozesse, die während kontinuierlicher Nahrungszufuhr weniger aktiv sind, treten stärker in den Vordergrund.

Dazu gehört unter anderem die Autophagie, ein zelluläres Recyclingsystem, bei dem beschädigte Proteine und defekte Zellbestandteile abgebaut und wiederverwertet werden. Gleichzeitig verändern sich verschiedene Signalwege des Immunsystems. Entzündungsfördernde Botenstoffe können sinken, während regulatorische Mechanismen stärker zum Tragen kommen.

Vereinfacht gesagt: Das Immunsystem arbeitet nicht mehr im permanenten Alarmmodus, sondern bekommt die Gelegenheit, seine Prozesse neu zu ordnen.

Ein gut reguliertes Immunsystem ist nicht aggressiv – es ist präzise.
Und es arbeitet schon gar nicht gegen den Körper. Doch das ist ein Thema, das ich an anderer Stelle noch einmal ausführlicher beleuchten werde.

Die immunologische Intelligenz metabolischer Pausen

Während metabolischer Pausen wie dem Fasten zeigen viele Studien Veränderungen, die mit einer besseren Regulation entzündlicher Prozesse verbunden sind. Dazu gehört unter anderem eine Reduktion bestimmter entzündlicher Signalwege – etwa solcher, die mit Zytokinen wie IL-6 oder TNF-α zusammenhängen – sowie eine Verringerung oxidativen Stresses.

Parallel dazu stabilisiert sich die mitochondriale Funktion. Da Mitochondrien eine zentrale Rolle in der Energieversorgung und auch in der Regulation immunologischer Prozesse spielen, wirkt sich ihre Effizienz direkt auf die Fähigkeit des Körpers aus, zwischen Abwehr und Reparatur zu unterscheiden.

Der Körper arbeitet in solchen Phasen nicht intensiver, sondern ökonomischer. Energie wird nicht mehr überwiegend für Alarmreaktionen verbraucht, sondern kann wieder stärker für Stabilisierung und Reparatur eingesetzt werden.

Ein anderer Zugang: Intervall-Hypoxie-Training (IHHT / IHT)

Nicht jeder Mensch kann oder sollte fasten. In der klinischen Praxis gibt es viele Situationen – etwa bei Erschöpfungszuständen, bestimmten Stoffwechselstörungen oder unter medikamentösen Therapien –, in denen längere Fastenperioden nicht sinnvoll sind.

Hier kommt ein anderer physiologischer Reiz ins Spiel: kontrollierte Veränderungen der Sauerstoffverfügbarkeit.

Beim Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training (IHHT oder IHT) wird der Körper wiederholt kurzen Phasen reduzierter Sauerstoffkonzentration ausgesetzt, gefolgt von Phasen normaler oder erhöhter Sauerstoffversorgung. Diese kontrollierten Reize lösen Anpassungsreaktionen im gesamten Organismus aus – unter anderem auch in den Mitochondrien.

Mitochondrien reagieren auf solche Signale, indem sie ihre Effizienz verbessern, oxidativen Stress besser regulieren und ihre Funktion langfristig stabilisieren. Da mitochondriale Aktivität eng mit immunologischen Signalwegen verknüpft ist, kann diese Anpassung auch Auswirkungen auf entzündliche Prozesse haben.

IHHT ersetzt Fasten nicht. Aber es kann über einen anderen biologischen Zugang ähnliche regulative Effekte unterstützen: bessere Energieeffizienz, geringere oxidative Belastung und stabilere zelluläre Kommunikation.

Klinische Perspektive: Regulation statt Unterdrückung

Viele klassische therapeutische Ansätze konzentrieren sich darauf, Entzündung pharmakologisch zu blockieren oder zu unterdrücken. In akuten Situationen ist das lebensrettend und aus der modernen Medizin nicht wegzudenken.

Regenerations- und Regulationsmedizin verfolgt jedoch häufig ein ergänzendes Ziel: nicht nur Entzündung zu dämpfen, sondern die Regulationsfähigkeit des Systems selbst zu verbessern.

Fasten und IHHT gehören zu den Interventionen, die genau hier ansetzen. Sie verändern nicht primär einzelne Symptome, sondern die energetischen Rahmenbedingungen, unter denen der Körper arbeitet.

Wenn Energieproduktion stabiler wird und oxidativer Stress sinkt, kann das Immunsystem wieder differenzierter reagieren – weniger chaotisch, weniger erschöpfend, dafür präziser.

Fazit

Chronische Entzündung ist selten ein isoliertes Immunproblem. Sie steht in enger Verbindung mit Energiehaushalt, Stoffwechsel und mitochondrialer Funktion.

Fasten kann helfen, diese Zusammenhänge zu regulieren, indem der Stoffwechsel in einen Zustand übergeht, der Reparatur und Effizienz begünstigt.

Intervall-Hypoxie-Training nutzt einen anderen Zugang: die gezielte Anpassung mitochondrialer Systeme durch kontrollierte Sauerstoffreize.

Beide Wege verfolgen letztlich dasselbe Ziel – die Wiederherstellung biologischer Ordnung.

Wie diese Mechanismen in der Praxis genutzt werden können und welche klinischen Entscheidungskriterien dabei eine Rolle spielen, besprechen wir ausführlich in unseren Onlinekursen zum Thema Intervall-Hypoxie-Training mit dem Hypoxie-Experten und Zellmediziner Dr. med. Egor Egorov.

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Marion Massafra-Schneider

Wissenschaftliche Referenzen

  1. Mizushima N, Komatsu M. Autophagy: renovation of cells and tissues. Cell. 2011;147(4):728–741.
  2. Longo VD, Mattson MP. Fasting: molecular mechanisms and clinical applications. Cell Metabolism. 2014;19(2):181–192.
  3. de Cabo R, Mattson MP. Effects of intermittent fasting on health, aging, and disease. New England Journal of Medicine. 2019;381(26):2541–2551.
  4. Brandhorst S, et al. A periodic diet that mimics fasting promotes multi-system regeneration and healthspan. Cell Metabolism. 2015;22(1):86–99.
  5. West AP, Shadel GS. Mitochondria in innate immune responses. Nature Reviews Immunology. 2017;17(6):363–375.
  6. Navarrete-Opazo A, Mitchell GS. Therapeutic potential of intermittent hypoxia: a matter of dose. Experimental Neurology. 2014;256:45–55.
  7. Serebrovska ZO, et al. Intermittent hypoxia training as non-pharmacological therapy. Frontiers in Physiology. 2019;10:123.

Hinweis:
Die genannten Studien dienen der wissenschaftlichen Einordnung der beschriebenen biologischen Mechanismen. Sie stellen keine individuellen Therapieempfehlungen dar und ersetzen keine medizinische Diagnostik oder Behandlung.

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